Stellungnahme zum Thema "Flügel stutzen bei Papageien"

Immer wieder werden wir im tierärztlichen Alltag mit der Fragestellung von Kunden konfrontiert, ob wir bitte dem Papagei, der da so behände und mit flinkem Flügelschlag seine Runden durch die Wohnung dreht, die Federn stutzen könnten?!

Leider gibt es immer noch Leute, die diese tolle Fähigkeit unserer Vögel nicht schätzen, sondern eher als lästig empfinden. Dabei zeichnet sich der Vogel doch gemeinhin dadurch aus, dass er fliegen kann!

Sein ganzer Organismus ist darauf ausgerichtet! Pneumatisierte, also mit Luft gefüllte Knochen zur Gewichtsersparnis, Luftsäcke angegliedert an die Lungen, die im Brust -und Bauchraum ebenfalls Gewicht einsparen. Und genau letzteres Organsystem leidet immens, wenn wir den Papageien ihre Flugfähigkeit durch stutzen einschränken oder gar ganz nehmen!

Die Gesunderhaltung des Atemtraktes kann nur gewährleistet werden, wenn der Vogel durch fliegen seine Lunge und Luftsäcke mit Frischluft versorgt. Andernfalls würde vor allem in den Luftsäcken ein stark verringerter Austausch an Luft stattfinden, der zur Anreicherung von Keimen, insbesondere Pilzen der Gattung Aspergillus führen kann.

Der dadurch begünstigte, chronische und oft die Lebenszeit deutlich verkürzende Erkrankungskomplex "Aspergillose" ist vielen Papageienhaltern ein Begriff.

Warum also sollte man seinem Papagei dieses Risiko zumuten?

Bequemlichkeit des Menschen dürfte da die Ausrede sein. Niemand hat behauptet, dass Papageienhaltung einfach ist. Doch wer diese Anforderungen nicht erfüllen möchte, sollte aus Rücksicht auf die Gesundheit dieser tollen Tiere bitte ganz auf deren Haltung verzichten.

Es gibt nur ganz wenige Ausnahmesituationen, die ein partielles Stutzen zulassen würden. Dies wäre z.B. ein extrem starkes Treibeverhalten von Papageienhähnen zur Brutzeit. In einigen Fällen werden die Weibchen tatsächlich bis zur völligen Erschöpfung gejagt. Um hier dem Verlust des Weibchens durch körperliche Erschöpfung vorzubeugen, kann gegebenenfalls. ein partielles Stutzen in Erwägung gezogen werden. In allen anderen Fällen privater Haltung ist dies hingegen abzulehnen und wird in meiner- und auch in anderen Vogelpraxen-, nicht gestutzt! 

Carina Anthonj
Tierarztpraxis
Neufeldstr 5
76456 Kuppenheim

www.tierarzt-kuppenheim.de